Jobcrafting: Sorgen Sie für mehr Zufriedenheit am Arbeitsplatz

Junge Assistentin ist glücklich und zeigt mit ihren Fingern ein Herz
© Deagreez / iStock / Getty Images Plus

Wie zufrieden sind Sie im Job? Wenn Sie diese Frage eher mit „Naja, passt irgendwie“ beantworten, gehören Sie zur großen Mehrheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Die wenigsten gehen mit großer Leidenschaft an ihr Tageswerk. Das ist schade, denn immerhin verbringen wir am Arbeitsplatz viel Zeit. Wir zeigen Ihnen, wie Sie mit Jobcrafting für mehr Zufriedenheit bei Ihrer beruflichen Beschäftigung sorgen.

Was versteht man unter Jobcrafting?

Die Zahlen zur Zufriedenheit am Arbeitsplatz sind erschreckend. In Deutschland gehen nach einer Studie von Ernst & Young aus dem März 2023 gerade einmal 31 Prozent der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen ihrem Job mit Leidenschaft und hoher Motivation nach. Komplett unzufrieden waren dagegen 17 Prozent der befragten Personen, was einen Anstieg um 7 Prozent gegenüber der vorherigen Umfrage aus dem Jahr 2021 bedeutete. Die große Mehrheit aller Arbeitenden fällt also in die Kategorie „Geht so!“. Echte Begeisterung sieht anders aus.

Dabei reichen oft schon einfache Maßnahmen aus, um die Zufriedenheit am Arbeitsplatz wieder zu steigern. Wenn Sie selbst aktiv werden, spricht man heutzutage von Jobcrafting. Dieser Begriff stammt aus der positiven Arbeits- und Organisationspsychologie und beschreibt die proaktive Anpassung oder Umgestaltung des eigenen Arbeitsplatzes durch Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen. Ziel ist, die Arbeit besser an die individuellen Bedürfnisse, Fähigkeiten und Vorlieben anzupassen und dadurch wieder zufriedener zur Arbeit zu gehen.

Warum Sie gegen Unzufriedenheit angehen sollten

Die Konsequenzen der Unzufriedenheit sind immens, sowohl für den Einzelnen als auch für die Unternehmen.

Was die Unzufriedenheit für das Unternehmen bedeutet

In vielen Unternehmen herrscht noch immer die Meinung vor: „Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sollen froh sein, dass sie einen Job haben, und nicht herummeckern.“ Allerdings ist diese Einstellung sehr kurzsichtig. Eine unzufriedene Belegschaft führt zu vielen Problemen im Unternehmen.

  • Prozesse verlangsamen sich. Unmotivierte Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen neigen möglicherweise zu „Dienst nach Vorschrift“. Eventuell haben sie innerlich schon gekündigt, sodass Vorgänge liegen bleiben, Aufgaben lustlos erledigt und Verbesserungen nicht mehr mitgetragen werden. Im schlimmsten Fall boykottiert die jeweilige Person sogar die Arbeit anderer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.
  • Die Fluktuation steigt. Klar, wer am Arbeitsplatz nicht glücklich ist, sucht sich schneller einen neuen Job. Frei werdende Stellen müssen in der Regel neu besetzt werden, was im Unternehmen hohe Kosten und Reibungsverluste verursacht.
  • Auch der Krankenstand kann steigen. Dauerhafte Unzufriedenheit und Frust am Arbeitsplatz führen zum Burn-out oder auch zum Bore-out, also zur sprichwörtlich tödlichen Langeweile. Betroffene werden dann häufiger krankgeschrieben. Die entsprechenden Kosten steigen.
  • Ein schlechtes Betriebsklima spricht sich herum. Für das Unternehmen wird es damit immer schwieriger, Arbeitskräfte zu finden. In Zeiten des Fachkräftemangels kann das zu großen Problemen führen.

Welche Folgen Unzufriedenheit für die Betroffenen hat

Die wirtschaftlichen Konsequenzen für das Unternehmen sind das eine, die – teilweise – gravierenden Folgen für die Betroffenen das andere.

  • Dass dauerhafte Unzufriedenheit nicht gesund ist, liegt auf der Hand. Körperliche Folgen können unter anderem Herzerkrankungen, Bluthochdruck, Erschöpfung und Rückenschmerzen sein.
  • Daneben leidet auch die Psyche. Wer dauerhaft unzufrieden ist, wird schnell zynisch, ist frustriert und zieht sich sozial zurück.
  • Dauert der Zustand der Unzufriedenheit an, verfestigt sich bei den Betroffenen das Gefühl, keinen Einfluss auf die Situation nehmen zu können. Schlimmstenfalls droht eine Depression.
    Lassen Sie es nicht so weit kommen!

Allein die Vorstellung, den Rest Ihres (Arbeits-)Lebens jeden Tag an einen Arbeitsplatz zu gehen, der Sie unzufrieden macht, sollte Motivation genug sein, etwas zu verändern.

Wie funktioniert Jobcrafting?

Am Anfang des Jobcraftings steht die Frage, was Sie überhaupt verändern wollen. Gehen Sie Ihrer Unzufriedenheit systematisch auf den Grund, um ihr wirksam begegnen zu können.

Zählen Sie Ihre Aufgaben auf

Listen Sie einmal alle Aufgaben und Verantwortlichkeiten auf, die zu Ihrem Arbeitsplatz gehören. Bewerten Sie sie anschließend: Welche davon erledigen Sie gern? Welche sind Ihnen eher lästig? Und welche wären Sie lieber heute als morgen los? Fragen Sie sich, was Sie an Letzteren stört und welche Stellschrauben für Verbesserungen es gibt. Überlegen Sie sich gleichzeitig, warum Ihnen Ihre Lieblingsaufgaben so viel Spaß machen. Können Sie diese Punkte eventuell auf andere Aufgaben übertragen?

Blicken Sie auf Ihre Arbeitsabläufe

Die zweite Stellschraube besteht darin, Ihre Arbeitsweise zu kontrollieren.

  • Wie arbeiten Sie am liebsten? Wenn Sie es vorziehen, im Team zu arbeiten, kann es schwierig sein, wenn Sie tagtäglich als Einzelkämpferin auftreten zu müssen.
  • Wie gut sind Sie darin, Ihre Aufgaben zu priorisieren? Nutzen Sie Ihre Zeit vorrangig für Wichtiges oder kümmern Sie sich überwiegend um Dringendes?
  • Multitasking tut niemandem gut. Neigen Sie dazu, immer mehrere Aufgaben gleichzeitig zu erledigen? Haben Sie überhaupt die Ruhe, um alles, was anliegt, zu sortieren?

Prüfen Sie die Zusammenarbeit mit anderen

Mit wem arbeiten Sie an Ihrem Arbeitsplatz zusammen? Mit einem tollen Team an Ihrer Seite können auch lästige Aufgaben leicht von der Hand gehen. Und wenn zwischen den Kollegen und Kolleginnen Unfrieden herrscht, wird noch das spannendste Projekt zur unerträglichen Last. Listen Sie alle Personen auf, mit denen Sie im Berufsleben zu tun haben. Bewerten Sie die Zusammenarbeit: Mit wem arbeiten Sie gern zusammen? Bei wem hakt es? Handelt es sich in diesem Fall eher um menschliche oder um organisatorische Schwierigkeiten?

Titelbild der sekretaria-Ausgabe März 2025Dieser Artikel stammt aus dem sekretaria-Magazin. Wollen Sie mehr über die neuesten Trends im Office erfahren? Dann fordern Sie jetzt Ihr kostenloses Probeexemplar an!

Bessere Jobs durch Jobcrafting

Zunächst einmal ist es Aufgabe des Managements, für gute Rahmenbedingungen zu sorgen. Wichtig ist beispielsweise, dass die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen sinnvolle Aufgaben erledigen, echte Wertschätzung erfahren und für sich selbst eine Perspektive sehen. Aber auch wenn die Arbeitssituation stimmt, kann sich Unzufriedenheit einschleichen. Veränderte Aufgaben, neue Kollegen und Kolleginnen, ein beruhigender, aber langweiliger Trott – in kleinen Schritten machen sich erst Unmut und dann Ärger breit.

Und nun? Suchen Sie sich einen neuen Job? Das ist aufwendig und unsicher. Niemand kann Ihnen sagen, ob Ihre Wünsche an der neuen Arbeitsstelle eher erfüllt werden. Versuchen Sie doch erst einmal, Ihren bestehenden Job mittels Jobcrafting an Ihre Bedürfnisse anzupassen. „Mit Jobcrafting machen Sie den Job, den Sie haben, zu dem Job, den Sie wollen“, beschreibt Coach und Autorin Ragnhild Struss diesen Weg in ihrem Buch „Wie Sie mit Jobcrafting Ihre Arbeit wieder lieben lernen“. Weil der Assistenz-Job so vielseitig und abwechslungsreich ist, haben Sie eine große Bandbreite an Einflussmöglichkeiten.

Mehr von dem, was Ihnen Spaß macht

Selbstverständlich müssen alle Aufgaben auf Ihrem Schreibtisch auch bearbeitet werden. Aber Sie können entscheiden, wie intensiv Sie sich damit beschäftigen. Geben Sie Aufgaben, die Ihnen Spaß machen und Ihren Fähigkeiten am meisten entsprechen, höhere Priorität. Für Tätigkeiten, auf die Sie weniger Lust haben, können Sie sich verschiedene Vorgehensweisen überlegen:

  • Setzen Sie auf Automatisierungen: Schon Microsoft 365 bietet Ihnen viele Möglichkeiten, Vorgänge zu automatisieren. Arbeiten Sie mit Filtern in Outlook, mit Textbausteinen in Word oder mit Makros in Excel. Einmal eingerichtet, profitieren Sie lange von solchen Maßnahmen.
  • Sprechen Sie mit Ihrer Chefin über die Möglichkeit, die Arbeit umzustrukturieren. Viele Assistenzen haben in den letzten Jahren vermehrt Sachbearbeiteraufgaben übernommen, ohne das wirklich zu wollen. Vielleicht gibt es die Möglichkeit, einzelne Tätigkeiten wieder in die Abteilung zurückzugeben? Den umgekehrten Fall gibt es natürlich auch. Überlegen Sie gemeinsam, welche Maßnahmen sinnvoll sind.

Arbeitsumgebung persönlicher gestalten

Sie sehen derzeit nur wenig Chancen, Ihre Aufgaben umzustrukturieren? Dann setzen Sie an Ihrer Arbeitsumgebung an. Hier gibt es zahllose Optionen. Überlegen Sie, was Sie derzeit stört. An Ihrem Schreibtisch ist es zu dunkel? Dann besorgen Sie eine andere, hellere Lichtquelle oder stellen Sie Ihren Schreibtisch – gemeinsam mit dem Hausmeister – näher an das Fenster. Die vielen alten Akten in Ihrem Büro erdrücken Sie? Dann schaffen Sie sie ins Archiv. Die kahlen Wände öden Sie an? Dann hängen Sie Bilder auf.

Achten Sie auf Ihren Biorhythmus

Oft hat unser Unbehagen damit zu tun, dass wir bestimmte Dinge zur falschen Zeit tun. Wer morgens Schwierigkeiten hat, in die Gänge zu kommen, sollte sich für diese Zeit nicht gerade ein Brainstorming vornehmen. Beobachten Sie, wann Ihnen welche Aufgaben besonders leicht von der Hand gehen und wann Sie sich eher „quälen“. Planen Sie Ihren Tagesablauf anhand Ihrer Erkenntnisse. Allein dieser einfache Schritt kann Ihre Belastung deutlich senken. Wichtig sind auch Pausen. Achten Sie auf regelmäßige Unterbrechungen und nutzen Sie sie, um sich wirklich zu erholen.

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Gestalten Sie die Kommunikation

Menschen sind soziale Wesen. Wenn es an der Kommunikation hapert, kann das sehr belastend sein und zu großer Unzufriedenheit führen. Wie Sie mit Ihren Kollegen und Kolleginnen kommunizieren, stellt daher einen großen Hebel für das Jobcrafting dar. Bei welchen Personen kommt es immer wieder zu Missverständnissen oder Störungen, die Sie ärgern? Überprüfen Sie Ihre Kommunikationsstrategie und überlegen Sie sich Optimierungen. Sprechen Sie Probleme offen an und sagen Sie, in welche Richtung Sie die Zusammenarbeit gern verändern würden. Bitten Sie sich beispielsweise störungsfreie Zeiten aus. Oder überlegen Sie gemeinsam, wie sich die Kommunikation effizienter gestalten lässt. Es wird immer Menschen geben, mit denen Sie nicht gut zurechtkommen. Versuchen Sie hier, die Zusammenarbeit auf das nötige Minimum zu reduzieren. Lassen Sie sich nicht ärgern oder provozieren, sondern bleiben Sie auf der sachlichen Ebene. Intensivieren Sie stattdessen die Kontakte zu jenen Kollegen und Kolleginnen, mit denen ein
gutes Miteinander besteht.

Setzen Sie auf Fort- und Weiterbildung

Das ist die Königsdisziplin in Sachen Jobcrafting: Sie besuchen Kurse und Seminare, um sich neue Kenntnisse anzueignen. Mehr Wissen wirkt gleich auf mehreren Ebenen gegen die Unzufriedenheit. War deren Ursache zuvor Unsicherheit bei manchen Aufgaben, können Sie dank Ihrer neuen Kompetenzen die Sorgen über Bord werfen. Mit Ihren erweiterten Fähigkeiten können Sie selbstbewusst anspruchsvollere Aufgaben fordern, die Ihren Interessen und beruflichen Zielen besser entsprechen. Größere Verantwortung und damit mehr Handlungsspielraum gibt es oft gleich noch mit dazu.

Arbeitszeit reduzieren

All das bringt nichts? Dann überlegen Sie, ob eine Reduzierung der Arbeitszeit für Sie sinnvoll ist. Je nachdem, wie hoch Ihr Leidensdruck ist, kann eine solche Maßnahme Ihre Lebensqualität deutlich steigern. Schon ein freier Tag mehr in der Woche kann Ihre Unzufriedenheit senken. Und die freie Zeit können Sie nutzen, um sich doch einen neuen Job zu suchen …

Die Autorin Cordula Natusch ist Chefredakteurin des sekretaria-Magazins, freie Texterin und Redakteurin für Unternehmenskommunikation sowie Bloggerin bei www.arbeiten-im-sekretariat.de.
www.redaktion-natusch.de